Hintergründe

Einführungen zur japanischen Geschichte, Kultur und Kampfkunst.

Hintergründe
Dai Nihon rokuju-yo kyo no uchi

Mythologie und Geschichte Japans

Das Schwert hat bereits in der Mythologie und Entstehungsgeschichte Japans einen festen Platz.

So gehört Kusanagi no Tsurugi (das Grasschneider-Schwert, von Gott Susanoo aus dem Körper einer achtköpfigen Schlange gewonnen) zu den drei Reichsinsignien Japans (neben der Halskette Yasakani no Magatama und dem Spiegel Yata no Kagami, alle drei auch heute ausschließlich dem Kaiserhaus zugänglich).

Die Nara-Zeit (710 bis 794) erlebte eine erste Hofkultur und stand unter dem Einfluss chinesischer Importe (insbesondere auch des Buddhismus).

In der Heian-Zeit (709–1184) wurde der Kaiserhof nach Kyoto verlegt und die japanische Kultur auf vielen Ebenen weiterentwickelt und verfeinert.

Ab dem späten 12. Jahrhundert wurde der Kaiserhof abgelöst und Japan als Shogunat durch die Anführer des Kriegeradels geführt.

Innerhalb der Jahre 1185 bis 1868 führten drei Dynastien den Titel Shogun. Die erste war die Minamoto Dynastie (1185-1333) im Kamakura-Shogunat. Die zweite war die Ashikaga-Dynastie (1336-1573), deren Hauptstadt im Muromachi-Viertel von Kyoto lag. Dann kamen die Tokugawa (1603-1868), mit ihrer Hauptstadt in Edo, dem heutigen Tokyo.

Erst durch die neuerliche Öffnung Japans am Ende des Tokugawa-Shogunats trat Japan in die Moderne ein.

Die Samurai

Als Samurai (侍) wird von uns der japanische Kriegerstand (Kriegsadel) bezeichnet, welcher sich bereits in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung in Japan langsam zu entwickeln begann.

Eine wichtige Quelle über die Bedeutung und das Leben der Samurai während der Heian-Zeit (709–1184) entstammt den Heike Monogatari – den Erzählungen über den Kampf der Minamoto (Genji) gegen den Taira-Clan (Heike). Das Leben der Samurai war zu dieser Zeit stark vom Hofleben geprägt.

Alle Shogune waren angeblich Nachkommen von Minamoto no Yoritomo, obwohl einige dieser Verbindungen nur sehr schwach ausgeprägt waren. Trotz dieser Betonung der politischen Kontinuität hat sich die Kriegerkultur in den sieben Jahrhunderten zwischen von 1100 bis 1800 stark verändert.

Die Periode des Ashikaga-Shogunats (auch Muromachi, 1338–1573) war ein Tiefpunkt in der japanischen Geschichte, was die zentrale politische Kontrolle betraf, aber viele japanische Kulturformen, die wir heute als traditionell betrachten (wie die Teezeremonie, die Zen-Steingärten, die Haiku-Dichtung und das Noh-Theater) sind Produkte dieser Ära.

Eine wichtige Quelle über das Leben zu dieser Zeit ist das Taiheiki, ein japanisches historisches Epos aus dem späten 14. Jahrhundert. Wir sehen dort einen Kult der extremen Loyalität und die Entwicklung eines neuen, von der höfischen Kultur unabhängigen Sinnes für die Tapferkeit der Samurai.

Das wohl bekannteste Buch seines sogar noch bekannteren Autors ist das Buch der fünf Ringe (Gorin no Sho 五輪書) von Miyamoto Musashi, geschrieben um ca. 1645 als dieser etwa 60 Jahre alt war). Er kämpfte im Krieg zwischen dem Toyotomi- und dem Tokugawa-Klan auf der Verliererseite und zog danach als herrenloser Samurai (Ronin) durch Japan.

Ein heute verbreitetes Buch ist das Hagakure, das jedoch keinen Leitfaden für die Samurai-Praxis darstellt, sondern mehr eine Sammlung missmutiger Memoiren. Der Autor Yamamoto Tsunetomo wurde erst 1659 geboren, hatte keinerlei praktische Kampferfahrung und arbeitete von Zeit zu Zeit als Schreiber. Die erste moderne Edition wurde 1900 veröffentlicht, als Samurai-Buch bekannt wurde das Buch allerdings erst in den 1940ern während des Pazifik-Krieges.

Nicht unerwähnt bleiben darf natürlich die Geschichte der 47 Ronin, welche sich 1701 zugetragen hat und die kompromisslose Treue der Samurai – über den Tod hinaus – zum Ausdruck bringt.

Die Moderne

Mit der Meiji-Restauration und der Abschaffung des Shogunats 1868 begann für Japan eine neue Zeit.

Mit den 1870er begann die Abschaffung und Entwaffnung der Samurai-Klasse und das Militär wurde für alle Japaner geöffnet.

Was dieser Wandel für die japanische Bevölkerung in seiner Fülle und Geschwindigkeit bedeutet haben muss, ist für uns im Nachhinein nur sehr schwer vorstellbar.

So war im Jahr 1868 die öffentliche Diskussion über Politik praktisch illegal. Regierungsangelegenheiten waren die Angelegenheit der Samurai, und das gemeine Volk durfte ihre Entscheidungen nicht in Frage stellen. Doch bis 1905 berichteten Dutzende von Tageszeitungen über lokale und internationale Angelegenheiten und kritisierten sogar die Regierung. Darüber hinaus gab es eine gewählte Nationalversammlung, die sich aus gewählten Bürgern zusammensetzte, welche die Redefreiheit genossen.

Auf der anderen Seite war diese Zeit auch von immer stärker aufkeimendem Nationalismus, Militarismus und imperialistisch-kolonialistischen Bestrebungen geprägt. Das beeinflusste auch das Bild der Samurai damals und nicht zuletzt auch, wie es heute gezeichnet wird.

Bushido (der Weg des Kriegers) ist ein moderner Begriff, bekannt geworden durch das (im Original auf englisch verfasste) Buch Bushido – the Soul of Japan von Inazo Nitobe 1899. Diese Zeit stellt auch den Übergang von Bujutsu (den Kriegstechniken) zu Budo (als Weg der Kampfkünste) dar.

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts kam es so zu einer Entwicklung der modernen Budo-Disziplinen, welche bis heute noch nicht abgeschlossen ist und bis heute unsere Kampfkünste am stärksten prägt.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden unter amerikanischer Besatzung jedoch viele Kampfkünste verboten. Aus dieser Notwendigkeit heraus kam ein Transformationsprozess in Gang, welcher den Kampfsport in den Vordergrund rückte und den Kampfaspekt entschärfte oder komplett verwarf.

Heute trainieren wir modernes Budo (Gendai Budo) und alte Stile (Koryu) nebeneinander.

Referenzen

Auszüge aus Understanding Japan – A Cultural History von Prof. Mark J. Ravina, sowie aus Wikipedia und privaten Unterlagen des Autors.